
Eltern sind in heutiger Zeit häufig in ihrer Elternrolle verunsichert. Die Ansprüche sind hoch, und das Angebot an Erziehungskonzepten von Experten und Pseudoexperten ist vielfältig, so daß man schnell den Überblick darüber verliert und die Flinte ins Korn wirft, wenn man sich zum Thema Kindererziehung kundtun möchte.
Daß die Kindererziehung keine leichte Sache ist, dürfte mittlerweile bekannt sein. Der Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann von der Universität Bielefeld fand bei Nachforschungen heraus, daß etwa 15 Prozent der Elternhäuser bei der Erziehung der Kinder überfordert sind. Als Konsequenz daraus fordert er, alle Eltern zum Besuch von Erziehungskursen zu verpflichten.
Sigrid Tschöpe-Scheffler, Direktorin des Instituts Kindheit, Jugend und Familie an der Fachhochschule Köln, ist ebenfalls der Meinung, daß Eltern zur zufriedenstellenden Bewältigung ihrer Erziehungsaufgaben Anregungen, Austausch und Unterstützung benötigen.
In der Gesellschaft hat sich die Ansicht, daß zum Elternsein mehr als nur das "Selbst-Kind-gewesen-sein" dazu gehört, noch nicht durchgesetzt, so daß nur sehr wenige Eltern einen Kurs besuchen. Es scheint auch schwierig, zwischen Beruf, Familie und Freizeit noch einen Erziehungskurs zu besuchen. Aber wenn man davon ausgeht, daß dieser eine Unterstützung für das familiäre Miteinander und die Erziehung darstellt, so daß Probleme im Vorfeld vermieden werden, dann könnte sich die für den Kurs aufgewendete Zeit durchaus wieder lohnen.
Die Ansicht von Hurrelmann, solche Kurse verpflichtend einzuführen, ist umstritten, denn andere Fachleute halten die Freiwilligkeit für unabdingbar.
Klar ist jedoch, daß Kurse besser besucht werden, wenn sie an Kindergärten oder Familienzentren angebunden sind. Außerdem könnte man den Besuch von Kursen mit Vorteilen für teilnehmende Familien fördern, wie zum Beispiel mit freiem Eintritt in Schwimmbäder oder Freizeitgutscheinen, um so einen Anreiz zur Teilnahme zu schaffen.
In Deutschland haben sich einige Elternschulungen durchgesetzt:
Hierbei wird gelernt Anerkennung, Anregung und Anleitung im richtigen Maß zu geben. Die Individualität der Kinder soll im Fokus stehen. Eltern lernen Temperament und Entwicklungsphasen zu beachten und den Kindern durch gutes Beispiel voranzugehen. Die Ermutigung spielt beim Training eine zentrale Rolle. Aktives Zuhören sowie respektvolle Kommunikation aber auch Grenzsetzung werden eingeübt.
Es ist ein strukturiertes, praktisches, leicht erlernbares und anwendungsorientiertes Konzept, leicht in Kursen oder auch mit dem Handbuch zu Hause erlernbar.
Bei diesem Training geht es darum, das Kind zu verstehen, seine sozialen Grundbedürfnisse zu beachten und ihm das zu geben, was es zur positiven Entwicklung seines Selbstwertgefühls braucht. Es wird geübt, Verhaltensweisen zu erkennen und angemessene Reaktionen darauf zu finden. Das respektvolle Setzen von Grenzen und Strategien zur Entschärfung von Konfliktsituationen wird erlernt.
Zudem bestehen unterschiedliche zielgruppenorientierte Elterntrainings, die für Familien, bei denen vielfältige Probleme das familiäre Miteinander überschatten, so daß ein positives Miteinander nicht mehr möglich ist, geeignet sind.
Was meinen Sie zum Thema der Elternkurse? Haben Sie eigene Erfahrungen? Teilen Sie uns diese doch auf dem Forum mit.
SF
