Wie in der Presse neulich zu lesen war, kämpfen Hauptschulen auf dem Lande ums Überleben. Aber nicht etwa auf Grund der negativen Nachrichten über Ereignisse und Zustände an deutschen Hauptschulen, sondern wegen fehlender Schüler.
Die Hauptschule war, wie der Name schon sagt, als Schule für den Großteil der Kinder einer Generation gedacht. Heute sind es aber gerade noch 27 Prozent der Kinder, die sie besuchen.
Die meisten Schüler gehen mittlerweile aufs Gymnasium, und es sieht so aus, als ob der Trend zu höheren Bildungsabschlüssen anhält.
Als Konsequenz der stagnierenden Schülerzahlen werden Hauptschulen häufig einzügig, also mit einer Klasse pro Jahrgang geführt, oder aber, und dies eben in ländlichen Regionen, sie werden geschlossen.
Dabei wird die frühe Trennung in Leistungsstarke und Leistungsschwache seit Langem kritisiert. Schon vor 30 Jahren wurden in einigen Bundesländern Modelle geschaffen, welche auf die frühe Klassifizierung der Schüler verzichteten. Und seit den schlechten PISA-Ergebnissen rücken diese Modelle wieder in den Vordergrund.
Die Gesamtschule ist in einigen Bundesländern eine Form der weiterführenden Schule, die Kinder nach der Grundschule besuchen können. Meist sind diese als Ganztagsschule konzipiert und die Schüler bleiben bis zur 9. Klasse gemeinsam in einer Klasse. Erst danach werden sie der, für sie passenden, Prüfung zugeführt. Entweder sie belegen weiterführende Klassen bis zur mittleren Reife oder dem Abitur, oder legen gleich die Hauptschulprüfung ab.
Unterschieden werden integrierte Gesamtschulen und kooperative Gesamtschulen. In der integrierten Gesamtschulen werden die Schülerinnen und Schüler in einzelnen Fächern nach Leistung und Anforderungen in verschiedene Kurse aufgeteilt. In der kooperativen Gesamtschule gibt es nebeneinander Klassen des Hauptschul-, Realschul- und Gymnasialzweiges. Einzelne Fächer wie Sport werden gemeinsam unterrichtet.
Ein anderes Modell, welches diskutiert wird ist das Zweigliedrige Schulsystem. In diesem würde die Hauptschule abgeschafft und nach der Grundschule bliebe die Wahl zwischen Gymnasium, als an Wissenschaften und Fachdisziplinen orientierte Vorbereitung auf das Studium, und einer Sekundarschule, als praxis-, berufs- und projektorientierter Schule, welche in die berufliche Tätigkeit führt. Wobei der Weg ins Studium auch für Sekundarschüler offen bliebe.
Konkrete Beispiele anderer Möglichkeiten bestehen auch, wie beispielsweise in Amtzell, wo mittels Binnendifferenzierung erreicht wurde, daß die Schüler bis zur 8. Klasse gemeinsam unterrichtet werden, und aus einem Angebot an Stütz- und Förderkursen auswählen können. Die Entscheidung, ob ein Schüler den Haupt- oder Realschulabschluß macht fällt also 3 Jahre später. Dieses Projekt hat Erfolg, und ist so beliebt, daß auch Schüler, welche auf das Gymnasium könnten zunächst auf der Schule im Ort bleiben.
Andere Stimmen vertreten die Meinung, daß die Hauptschule in Richtung Werkrealschule mit mittlerem Bildungsabschluß fortentwickelt werden müsse. Dabei werden Schüler in kleinen, berufspraktisch orientierten Klassen auf den Realschulabschluß vorbereitet. Die Schüler bekommen durch Projekte beim Arbeitgeber schon während der Schulzeit Kontakte in die Arbeitswelt, und ihre Chancen auf einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz sollen so verbessert werden.
Die Bundesländer, welche in Deutschland die Bildungshoheit inne haben, verfahren in diesen Fragen sehr unterschiedlich. Während beispielsweise in Rheinland Pfalz bereits 19 Gesamtschulen existieren und vom Land gefördert werden, steuert Baden-Würrtemberg der Infragestellung der Dreizügigkeit eher entgegen.
Was meinen Sie? Sollte man die Schüler länger gemeinsam unterrichten und eine Differenzierung erst später vornehmen, oder finden Sie eine frühe Trennung sinnvoll? Teilen Sie uns doch ihre Meinung im Forum mit.
SF
