Malinche - Prinzessin der Azteken | Books on Demand | 169 Seiten | 9,40 Euro | von Sylvia Schopf
Eigentlich ist Malinche ja die denkbar schlechteste Bezeichnung für die junge Aztekin, die als Übersetzerin und Geliebte des spanischen Eroberers Hernán Cortés eine entscheidende Rolle während der Eroberung Mexikos spielte. Denn "Malinche" ist die fehlerhafte Widergabe ihres eigentlichen Namens "Malintzin". Und im Zuge der Christianisierung wurde sie von den Spaniern Doña Marina genannt. Trotzdem wurde sie als Malinche weltweit berühmt.
Ihre Geschichte kennt man jedoch nicht dank Cortés Aufzeichnungen, der sie nur um Rande erwähnt - es war ein Soldat, Bernal Díaz del Castillo, der auch den Augenzeugenbericht der Eroberung Mexikos verfasst hat, dem wir unser heutiges Wissen über die junge Aztekin verdanken. Geboren als Tochter indigenen Adels wurde sie noch als Kind von ihrer Mutter an mayanische Sklavenhändler verkauft. Über eine Schenkung gelangte sie 1519 schließlich in Cortés "Besitz".
Dieser erkannte ihren Wert bald darin, daß sie außer der Sprache der Maya auch die Aztekensprache Nahuatl beherrschte, und in kurzer Zeit Spanisch erlernte. U.a. dank Malinches diplomatischen Geschick gelang es so dem spanischen Konquistador, das Vertrauen des aztekischen Herrschers zu erlangen und den Untergang des Reiches einzuläuten - eine Tatsache, für die Person Malinche heute kontrovers gesehen wird - als Verräterin des eigenen Volkes, aber auch als die Mutter der ersten mexikanischen Mestizen (Menschen mit indigenen und europäischen Vorfahren).
Sylvia Schopf leistet der umstrittenen Frau Tribut, indem sie hier ihre Kindheit bis zur Begegnung mit Cortés fiktiv und kindgerecht zeichnet. Durch intensive Recherche ist es ihr gelungen, eine realistische Biographie für Kinder zu schreiben, die dazu verleitet, in die Welt des alten Mexikos einzutauchen. In ihrem durchaus positiven Bild der jungen Aztekin kommt auch das "wahre Ende" der Geschichte nicht zu kurz - es wird im Anschluss knapp nacherzählt. Noch besser wird die Geschichte dadurch, dass originale Begriffe des Nahuatl verwendet wurden, deren Bedeutung ebenfalls hinten nachzuschlagen ist. Spannend und lehrreich.
MM
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