Rom ist Italiens Hauptstadt – aber Mailand gilt als wirtschaftliche Motor des Landes. Die beiden Städte könnten tatsächlich kaum gegensätzlicher sein.
Mailand liegt in Norditalien, und der Charakter der Norditaliener ist dem der Nordeuropäer ähnlicher als dem der Sizilianer oder Neapolitaner. Böse Zungen behaupten, in Mailand (und im Norden insgesamt) würde das Geld erwirtschaftet, das anschließend im Süden des Landes versande.
Auf jeden Fall aber ist Mailand die teuerste Stadt Italiens. Eine Stadt, die sich gerne mondän und hochmodern gibt – als Modezentrum ist Mailand längst auch diesseits der Alpen berühmt.
Shoppen in Mailand ist für viele Modefans der Gipfel des Glücks, allenfalls durch Paris oder New York zu toppen. Die Stadt an sich gilt eher als unscheinbar. Dabei ist Mailand keineswegs fade.
Immerhin beherbergt das Zentrum der Stadt neben der Modemeile noch das monumentale Castello Sforzesco, das Schloß der Sforzas, die einst weit über die Grenzen der Stadt hinaus herrschten. Und nicht zu vergessen natürlich der Mailänder Dom, ein beeindruckendes gotisches Bauwerk, dessen Grundstein 1386 gelegt wurde.
Die weltberühmte Oper La Scala bedarf keiner Einführung – für Klassik-Fans zweifellos ein Muß! Nebenher können Bildungsinteressierte in Mailand eine Vielzahl akademischer Einrichtungen finden: die Universitäten Cattolica, Statale und Bocconi, um nur einige zu nennen.
Unmittelbar nördlich des historischen Kerns befindet sich der populäre Corso Venezia mit seinen prachtvollen Gebäuden. Der Park von Porta Venezia ist außerdem eine beliebte Grünfläche, in der sich die streß- und staugeplagten Mailänder regenerieren.
Weiter nördlich liegt der vielbefahrene Corso Bueno Aires, der nicht unbedingt schön, aber von beeindruckender multikultureller Vielfalt ist.
Im Südwesten der Stadt liegt wiederum die schicke Gegend der Navigli. In Ticinese-Navigli leben viele einflußreiche und wohlhabende Mailänder, die sich in ihrer Freizeit gerne in den zahlreichen Szene-Lokalen und Restaurants tummeln.
Mailand entstand aus einer keltischen Ansiedlung, die 222 v. Chr. von den Römern erobert wurde. Als das römische Reich im Jahre 292 in zwei Verwaltungsgebiete aufgeteilt wurde, wählte man Mailand als Hauptstadt des westlichen Teils. Das frühe Christentum hat hier zahlreiche Spuren hinterlassen.
Bald rückten die ersten „Barbaren“ an. Festzuhalten ist insbesondere die Herrschaft der Langobarden (569-774), die der Lombardei, der Region um Mailand ihren Namen verliehen. Die Hauptstadt der Langobarden war allerdings Pavia.
Vom 11. Jahrhundert an wurde der Stadtstaat Mailand zu einem wichtigen politischen Faktor auf der Halbinsel (der italienische Staat existierte damals noch nicht). Doch vom 16. Jahrhundert an gerieten große Teile Italiens unter Fremdherrschaft, und Mailand blieb davon nicht verschont: 1535-1713 regierten hier die Spanier. In seinem historischen Roman „Die Verlobten“ (I promessi sposi) hat Alessandro Manzoni Mitte des 19. Jahrhunderts die Korruption dieser Machthaber angeprangert.
Während des 18 Jahrhunderts drückten wiederum die Habsburger der Stadt ihren Stempel auf. Unter ihnen wurde vieles modernisiert, der Laizismus setzte sich langsam durch. Nach der napoleonischen Ära kehrten die Österreich-Ungarn wieder zurück, doch diesmal ohne fortschrittlichen Elan. Vielmehr etablierten sie einen Polizeistaat, der den aufkeimenden Nationalismus der Italiener umso stärker entfachte. 1861 wurde Mailand schließlich Teil des zur Unabhängigkeit gelangten Italiens. Rom folgte übrigens erst zehn Jahre später, da die Kirche dort noch ein Wörtchen mitzureden hatte.
Wer als Aupair nach Mailand fährt, wird sich bestimmt nicht langweilen! Nur der Mailänder Verkehr ist leider kein Vergnügen. Aber dafür können Kulturinteressierte sich unter anderem in folgenden Museen umschauen:
Cenacolo Vinciano: Piazza Santa Maria delle Grazie, 2.
Der Eintritt kostet 6 Euro. Hier malte Leonardo in den Jahren 1495-97 sein berühmtes „Abendmahl“ ("Cena"), das bereits mehrmals restauriert wurde.
Civici Musei d´arte e Pinacoteca del Castello Sforzesco: Castello Sforzesco, piazza Castello. Von 9.30-17.30 geöffnet, außer montags.
Hier haben wir es mit einer der wichtigsten Kunstsammlungen Italiens zu tun.
Neben Kunstwerken aus vorchristlicher und vorromanischer Zeit befinden sich hier Skulpturen aus dem 15. und 16. Jahrhundert, die prachtvolle "Pieta´ Rondanini" von Michelangelo sowie flämische Wappen, Waffen und Möbel. In der Pinacoteca kann man Gemälde von Mantegna ("Madonna e Santi"), Bembo, Giovanni Bellini, Correggio ("Ritratto d´uomo"), Tintoretto, van Dyck, Greuze, Tiepolo bewundern.
Auch das Kunsthandwerk ist gebührend vertreten. Interessant ist auch ein Sondermuseum, das bedeutsame Musikinstrumente zeigt, darunter Geigen von Stradivari und Privatinstrumente von Komponisten wie Bellini.
Museo del Duomo: Piazza Duomo, 14.
Von 9.30-12.30 und 15-18 geöffnet. 5 Euro Eintritt, ermäßigt 2,50 Euro.
Einerseits wird hier die Geschichte des Doms dokumentiert, andererseits kann der Besucher prachtvolle Kunstwerke aus der Toskana und Lombardei sowie aus Deutschland und Frankreich bewundern. Tintoretto ist ebenfalls dabei.
Museo nazionale della scienza e della tecnica Leonardo da Vinci:
Via San Vittore, 21.
9,30-16.50 (Di. bis Fr.) und 9,30-18,30 (Sa. und Feiertage).
Ein Muß für alle Technikfans! Unter anderem befinden sich hier Dokumente und Entwürfe zu Leonardos Erfindungen.
Weitere hilfreiche Adressen:
Goethe-Institut Mailand
Centro Culturale Tedesco
Via San Paolo 10
20121 Mailand, Italien
Tel.: +39 (2) 77 69 171
Fax: +39 (2) 76 00 91 86
info@mailand.goethe.org
www.goethe.de/mailand
Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland
Via Solferino 40, 20121 Milano
Tel.: (+39 02) 623 11 01
Fax: (+39 02) 655 42 13
www.mailand.diplo.de
info@mailand.diplo.de
Camera di Commercio Italo-Germanica
Deutsch-Italienische Handelskammer
Via Napo Torriani, 29
20124 Milano
Tel. +39 02 67913 1
Fax +39 02 66980964
info@ahk-italien.it
Deutsche Schule Mailand
Via Legnano 24 (Eingang Via Tommaso da Cazzaniga 5)
20121 Milano
Tel.: +39 02 6597872
Fax: +39 02 6597614
Österreichisches Kulturforum Mailand
Forum austriaco di cultura
Piazza del Liberty, 8
20121 Milano
Telefono 02 78 37 41
Fax 02 78 36 25
mailand-kf@bmaa.gv.at
Questura (polizeiliche Anmeldung)
Aufenthaltserlaubnis: via Montebello, 26, Tel. 0262261
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